Klassensprecher*innenkonferenz: Wenn die Idee da ist – was dann?

Ideen gibt es viele – auch bei den Neustädter Klassensprecherkonferenzen. Aber was passiert danach? Warum gelingt es manchmal, an einer Idee dranzubleiben, Mitstreiterinnen und Mitstreiter zu finden und tatsächlich etwas auf den Weg zu bringen? Und warum verlaufen andere Vorhaben irgendwann im Sande?

Darum ging es bei der Klassensprecherkonferenz am Donnerstag, den 18. Juni, in der Mensa der Jacob-Lienau-Schule. Eigentlich sollten auch Schülerinnen und Schüler der Schule am Rosengarten dabei sein. Weil an diesem Morgen keine Lehrkräfte für die Begleitung zur Verfügung standen, konnten sie jedoch nicht teilnehmen. Damit zeigte sich gleich ganz praktisch: Beteiligung braucht nicht nur gute Ideen und engagierte Jugendliche, sondern auch Zeit, Unterstützung und passende Rahmenbedingungen.

Einen Blick von außen brachte buchstäblich der 20-jährige Leon Pelikan in die Konferenz. Er wurde per Video live aus Hessen zugeschaltet und berichtete von seinem eigenen Weg: von ersten Erfahrungen mit Engagement als Schüler bis zur Gründung von „Political X Change“, einer digitalen Plattform, die junge Menschen und Kommunalpolitik miteinander ins Gespräch bringen soll. Die Schülerinnen und Schüler konnten ihn direkt fragen, wann er selbst begonnen hatte, sich einzumischen, warum ihm die Umsetzung eigener Ideen wichtig ist – und auch, was passiert, wenn eine Idee einmal nicht umgesetzt werden kann. Und auch Leon Pelikan stellte Fragen, worauf sich insbesondere Mitglieder der bestehenden Eisbahn-Gruppe meldeten und von ihrem bisherigen Weg berichteten: zum Thema zu recherchieren, eine Umfrage vorzubereiten,  den Bürgermeister zu treffen und auch ein Plakatwettbewerb zu machen,

Danach wurde es im Beteiligungsworkshop von Ragna Riensberg und Sebastian Bertram sehr alltäglich. Denn wer sich engagieren soll, braucht dafür auch Zeit. Die Jugendlichen hielten fest, wofür sie ihre Freizeit brauchen und wofür sie gern mehr Zeit hätten. Freunde und Familie, Handball und Fußball, Hausaufgaben und Schule, Schlafen, Chillen oder Serien standen da neben Reisen, neuen Hobbys und dem Wunsch, einfach einmal auszuschlafen.

Und was passiert, wenn die Zeit für all das nicht reicht? „Müde“, „traurig“, „frustriert“, „enttäuscht“ oder „Angst, etwas zu verpassen“ war auf den Zetteln zu lesen. Andere fanden es wiederum „nicht schlimm“. Die Antworten machten sichtbar, wie viele Dinge im Alltag um dieselbe begrenzte freie Zeit konkurrieren. Genau das gilt auch für Beteiligung. Nach einer Konferenz einen Termin zu finden, sich wieder zu treffen und über Wochen oder Monate an einem Vorhaben weiterzuarbeiten, ist leichter gesagt als getan. Deshalb ging es an diesem Morgen in den ersten beiden Schulstunden nicht nur darum, was Jugendliche gern verändern möchten, sondern auch darum, was es braucht, damit sie tatsächlich dranbleiben können.

Und so endete die Konferenz auch nicht ohne konkrete Verabredungen. Für das Anliegen, eine Eisbahn nach Neustadt zurückzuholen, fanden sich neue Mitstreiterinnen und Mitstreiter: Rund zehn Jugendliche wollten gemeinsam an diesem Wunsch weiterarbeiten. Damit wurde an diesem Vormittag auch praktisch sichtbar, worum es bei Beteiligung immer wieder geht: Eine Idee allein reicht nicht. Es braucht Menschen, die sie gemeinsam weitertragen – und Möglichkeiten, dies neben allem anderen auch tun zu können.

Und auch das Gespräch mit Leon Pelikan soll nicht das letzte gewesen sein. Nach der Videoschalte war auf beiden Seiten die Neugier geweckt: Leon würde die Neustädter Schülerinnen und Schüler gern persönlich kennenlernen – und auch sie würden den Austausch mit ihm gern fortsetzen. Wie und wann das gelingen kann, soll nun gemeinsam überlegt werden.

Die Klassensprecherkonferenz fand statt im Rahmen des vom Kinder- und Jugendnetzwerk Neustadt in Holstein e. V. (KJN) getragenen Projekts „Jugend gestaltet Zukunft“, gefördert durch die Gemeinschaftsaktion des Deutschen Kinderhilfswerkes und des Landes Schleswig-Holstein.

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