Wie wird aus einer Idee tatsächlich etwas? Was hilft, wenn man gegen Wände oder ins Leere läuft? Und wie findet man andere, die mitmachen? Um diese Fragen ging es bei der Klassensprecherkonferenz am vergangenen Donnerstag in der Mensa der Jacob-Lienau-Schule (JLS). Rund 60 Schülerinnen und Schüler der gastgebenden Schule und der Schule am Rosengarten kamen mit dem 20-jährigen Jugendaktivisten Leon Pelikan ins Gespräch und ins Arbeiten.
Pelikan hatte dafür mehr als 500 Bahnkilometer und fast neun Stunden Zugfahrt von Hessen nach Ostholstein auf sich genommen. Selbst einmal Klassensprecher, berichtete er von seinem eigenen Weg. Für Trinkwasserspender an Schulen seines Heimatkreises musste er sich zunächst selbst intensiv ins Thema einarbeiten, andere überzeugen und Mitstreiter gewinnen. Schließlich traf sich eine Gruppe von sechs Jugendlichen Woche für Woche. Vor vielen Menschen zu sprechen, sei früher überhaupt nicht sein Ding gewesen. Heute ist Pelikan deutschlandweit als gefragter Demokratieexperte unterwegs.
Dann ging der Blick nach Neustadt. An Ideen der Teilnehmenden hatte es bei bisherigen Klassensprecherkonferenzen nicht gemangelt: Die Rückkehr einer Eisbahn, weitere Shoppingmöglichkeiten, eine Diskothek wie früher, ein Jugendstrand, ein attraktiverer Weihnachtsmarkt, eine Jugendshow oder kostenloses Essen an der Schule gehörten zu den Favoriten. Schwieriger war es, außerhalb der Konferenzen dranzubleiben: Meistens fehlte den Schülern die Zeit für Folgetreffen, manches Anliegen versandete. In Tischgruppen ging es am Donnerstag deshalb um vier Fragen: Was wollen wir? Was brauchen wir dafür? Was bremst uns? Und was wäre der nächste, ganz konkret nötige Schritt?
„Uns ging es diesmal nicht darum, wieder vor allem neue Ideen zu sammeln – auch wenn viele Klassensprecher zum ersten Mal dabei waren“, sagt Sebastian Bertram vom Orga-Team. „Die entscheidende Frage war eher: Wie kommt man von einer guten Idee wirklich ins Machen?“
Passend dazu stellte Pelikan die App „Political X Change“ vor, die er mit anderen jungen Menschen entwickelt hat. Die Demokratieplattform ermöglicht Jugendlichen, Themen sichtbar zu machen, miteinander zu diskutieren und Umfragen durchzuführen. Auch in Neustadt könnte sie ein Werkzeug für Jugendbeteiligung sein. In einem abschließenden Stimmungsbild konnte sich die große Mehrheit der Klassensprecher grundsätzlich vorstellen, damit zu arbeiten. Nach der Konferenz berieten Mitglieder der JLS-Schülervertretung, die SV-Lehrerin Sibylle Bekter, das Projektteam und Pelikan, wie es weitergehen kann. Erste Überlegungen stehen, die Eindrücke sollen nun zunächst einmal sacken. Der Kontakt zu Pelikan soll in jedem Fall bestehen bleiben.
Die Klassensprecherkonferenz fand statt im Rahmen des vom Kinder- und Jugendnetzwerk Neustadt in Holstein e. V. (KJN) getragenen Projekts „Jugend gestaltet Zukunft“, gefördert durch die Gemeinschaftsaktion des Deutschen Kinderhilfswerkes und des Landes Schleswig-Holstein.
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