Unterwegs für die Erinnerung: Bildungsfahrt führt von Frankfurt bis Kaufering

Mehrere Tage unterwegs, viele Eindrücke, intensive Gespräche: Die Bildungsfahrt im Projekt »Wir und die Cap Arcona« hat die vorbereitenden Treffen in konkrete Erfahrungen überführt. Jugendliche und Erwachsene aus Neustadt reisten gemeinsam nach Frankfurt am Main, Augsburg und Egling an der Paar – mit dem Ziel, neue Impulse für eine lebendige Erinnerungskultur zu gewinnen.

Gleich zu Beginn stand mit der Frankfurter Paulskirche ein zentraler Ort deutscher Demokratiegeschichte auf dem Programm. Hier wurde spürbar, dass politische Teilhabe kein abstrakter Begriff ist, sondern immer wieder neu ausgehandelt werden muss. In der Anne-Frank-Bildungsstätte ging der Blick weiter: Die Ausstellung verbindet historische Erfahrungen mit aktuellen Fragen nach Ausgrenzung, Zugehörigkeit und Verantwortung – und spricht damit gezielt junge Menschen an.

In Augsburg und Umgebung verschob sich die Perspektive noch einmal. Neben historischen Orten wie der Fuggerei wurde mit der Halle 116 ein ehemaliges Außenlager des KZ Dachau besucht. Besonders eindrücklich war die Begegnung mit lokalem Engagement: In Egling an der Paar zeigte der Heimatforscher Christopher Vila, wie Erinnerung auch im Kleinen entstehen kann – getragen von Bürgerinnen und Bürgern, die Geschichte sichtbar machen und bewahren.

Ein Höhepunkt – im wahrsten Sinne herausfordernd – war der Besuch des ehemaligen KZ-Außenlagers Kaufering VII. Die räumlichen Strukturen vor Ort machten die Lebensbedingungen der Häftlinge unmittelbar erfahrbar. Für viele wurde hier deutlich, wie fragil Erinnerungsorte sind – und wie schnell Geschichte zu verschwinden droht, wenn sie nicht aktiv bewahrt wird.

Neben den einzelnen Stationen prägte vor allem das Miteinander die Reise. Jugendliche und Erwachsene, Menschen unterschiedlicher Generationen, kamen ins Gespräch, stellten Fragen, teilten Eindrücke. Gerade dieser Austausch erwies sich als tragend: Erinnerung wurde nicht nur vermittelt, sondern gemeinsam verhandelt.

Mit vielen neuen Perspektiven kehrte die Gruppe nach Neustadt zurück. Die Erfahrungen der Reise fließen nun in die weitere Projektarbeit ein – und in die Frage, wie ein zukünftiges Dokumentationszentrum zur Cap-Arcona-Katastrophe aussehen kann: als Ort, der informiert, berührt und zur eigenen Auseinandersetzung einlädt.